Beziehung kann man nicht üben?
Doch klar:
Am besten miteinander.
Hier findet ausgewählte Übungen und Werkzeuge,
ganz einfach zum Selbstausprobieren.
Nehmt euch Zeit und sucht euch einen Platz,
an dem niemand stört.
Am besten auch kein Handy.
Schon 15 Minuten pro Woche können
eure Beziehung radikal verändern.
Das solltet ihr euch unbedingt wert sein!

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Das Gute laut sagen - ca. 5 Minuten
Worum geht’s?
Wir denken erstaunlich viele gute Dinge über unseren Partner, und sagen erstaunlich wenige davon.
Mit der Zeit wird das, was gut läuft, selbstverständlich.
Sichtbarer werden dagegen die Dinge, die uns stören.
Warum hilft das?
Wertschätzung wirkt besonders dann, wenn sie konkret ist.
„Du bist toll“ ist schön.
„Ich fand es schön, dass du heute Morgen noch Kaffee für mich gemacht hast, obwohl du spät dran warst“ kommt meistens tiefer an.
So geht’s
Nehmt euch fünf Minuten Zeit. Jeder nennt drei Dinge, die ihm in den vergangenen Tagen am anderen gefallen haben.
Dabei gilt: möglichst konkret werden. Es dürfen große Dinge sein, aber die kleinen zählen genauso.
Der andere hört einfach zu. Kein „Ja, aber …“, kein Herunterspielen. Ein „Danke“ reicht.
Probiert es aus:
Macht daraus für eine Woche ein kleines Abendritual:
Was fand ich heute gut an dir?
Zehn Minuten wirklich zuhören – ca. 20 Minuten
Worum geht’s?
Zuhören klingt einfach. In Beziehungen hören wir allerdings häufig schon mit einer Antwort im Kopf zu.
Wir erklären, verteidigen uns, geben Ratschläge oder erzählen sofort von unseren eigenen Erfahrungen.
Warum hilft das?
Verstanden zu werden bedeutet nicht automatisch, recht zu bekommen.
Es bedeutet zunächst: Mein Gegenüber hat begriffen, wie es für mich ist.
So geht’s
Einer von euch erzählt fünf Minuten lang von etwas, das ihn gerade beschäftigt.
Der andere:
- unterbricht nicht,
- gibt keine Ratschläge,
- verteidigt sich nicht,
- stellt höchstens Verständnisfragen.
Anschließend fasst er mit eigenen Worten zusammen:
„Wenn ich dich richtig verstanden habe …“
Der Erzähler darf ergänzen oder korrigieren. Danach wechselt ihr die Rollen.
Wichtig:
Nehmt für die ersten Versuche kein Thema, bei dem ihr regelmäßig eskaliert.
Was brauchst du gerade von mir – ca. 3 Minuten
Worum geht’s?
Einer erzählt von einem Problem, und der andere legt sofort los:
Lösungsvorschläge, Gegenargumente, Aufmunterung.
Gut gemeint. Trotzdem fühlt sich der andere anschließend manchmal noch unverstandener.
Das Werkzeug
Bevor ihr loslegt, stellt eine einfache Frage:
„Was brauchst du gerade von mir?“
Zum Beispiel:
„Hör mir einfach zu.“
„Nimm mich mal in den Arm.“
„Sag mir deine Meinung.“
„Hilf mir, eine Lösung zu finden.“
„Ich muss das gerade nur einmal loswerden.“
Warum hilft das?
Ihr müsst nicht mehr erraten, welche Reaktion der andere gerade braucht.
Und ihr lernt gleichzeitig, eure eigenen Bedürfnisse deutlicher auszudrücken.
Probiert es aus:
Benutzt die Frage beim nächsten Gespräch, bei dem einer von euch gestresst, traurig oder genervt nach Hause kommt.
Der Wochen-Check-in - ca 15 Minuten
Worum geht’s?
Viele Paare sprechen jeden Tag miteinander, über Einkäufe, Termine, Kinder, Arbeit und die kaputte Waschmaschine.
Über die eigene Beziehung sprechen sie erstaunlich selten.
Dafür gibt es den Wochen-Check-in.
So geht’s
Reserviert einmal pro Woche 15 Minuten.
Kein Handy, kein Fernseher, keine organisatorische To-do-Liste.
Jeder beantwortet drei Fragen:
1. Was war diese Woche schön mit uns?
2. Was war für mich schwierig?
3. Was wünsche ich mir von uns für die kommende Woche?
Der andere hört zunächst nur zu.
Wichtig:
Der Check-in ist keine wöchentliche Beschwerdestunde.
Deshalb beginnt ihr bewusst mit dem, was gut war.
Und aus einem Wunsch muss nicht sofort eine Grundsatzdiskussion werden.
Das Ziel:
Nicht alles lösen.
Sondern regelmäßig wissen, wie es dem anderen mit uns gerade geht
Die Neugier-Übung – ca. 10 Minuten
Worum geht’s?
Im Streit versuchen wir häufig, den anderen von unserer Sichtweise zu überzeugen.
Dabei verlieren wir ausgerechnet das aus den Augen, was interessant wäre:
Warum erlebt mein Partner dieselbe Situation so völlig anders?
So geht’s
Nehmt eine Meinungsverschiedenheit, die euch beschäftigt, aber nicht gerade hochexplosiv ist.
Einer erzählt seine Sicht.
Der andere darf zunächst nur neugierige Fragen stellen:
„Was genau hat dich daran verletzt?“
„Was hast du in dem Moment gedacht?“
„Was hättest du dir von mir gewünscht?“
„Warum war das für dich so wichtig?“
Keine Gegenargumente. Keine Beweisführung. Kein Verhör.
Danach Wechsel.
Die Herausforderung:
Versucht nicht herauszufinden, wer recht hat.
Versucht herauszufinden, warum die Sicht des anderen aus seiner Perspektive Sinn ergibt.
Stopp und noch einmal – direkt im Gespräch mittendrin
Worum geht’s?
Manchmal wissen wir bereits in dem Moment, in dem ein Satz unseren Mund verlässt:
Der war daneben.
Normalerweise nimmt das Gespräch trotzdem seinen Lauf.
Der andere reagiert auf den Angriff, wir reagieren auf seine Reaktion,
und wenige Minuten später streiten wir über etwas ganz anderes.
Dafür gibt es ein kleines Reparaturwerkzeug.
So geht’s
Sobald einer merkt, dass etwas unnötig scharf, abwertend oder verletzend herauskam, darf er sagen:
„Stopp. Das war nicht gut. Ich versuche es noch einmal.“
Dann formuliert er denselben Gedanken neu.
Aus:
„Dir ist doch sowieso alles andere wichtiger als ich.“
könnte werden:
„Ich habe mich heute ziemlich unwichtig gefühlt und hätte mir gewünscht, dass du dir etwas Zeit für mich nimmst.“
Wichtig:
Es geht nicht darum, den eigenen Ärger zurückzunehmen. Der Inhalt darf bleiben. Der Angriff muss es nicht.
Und der andere sollte den zweiten Versuch auch als zweiten Versuch behandeln, statt weiter über den ersten Satz zu streiten.
Nähe ohne Auftrag - ca. 10 Minuten
Worum geht’s?
Körperliche Nähe kann in einer Beziehung irgendwann mit Erwartungen verbunden sein.
Eine Berührung wird dann schnell zur Frage: Will der andere jetzt mehr? Muss daraus Sex werden?
Gerade wenn Lust und Bedürfnisse unterschiedlich sind, kann dadurch sogar Zärtlichkeit seltener werden.
Diese Übung nimmt der Nähe für einen Moment jedes Ziel.
So geht’s
Nehmt euch zehn Minuten Zeit. Setzt oder legt euch so hin, dass ihr euch beide wohlfühlt.
Ihr könnt euch umarmen, aneinanderlehnen, die Hand halten, streicheln oder einfach nur dicht beieinanderliegen.
Die einzige Vereinbarung lautet:
Aus diesen zehn Minuten muss nichts entstehen.
Kein Sex. Keine Steigerung. Kein bestimmtes Ergebnis.
Wenn sich etwas nicht gut anfühlt, sagt es.
Wenn ihr eine andere Berührung möchtet, zeigt oder sagt auch das.
Warum hilft das?
Berührung darf wieder einfach Berührung sein.
Ihr könnt wahrnehmen, was angenehm ist, ohne schon darüber nachdenken zu müssen, wohin es führen soll.
Das kann besonders wohltuend sein, wenn sich rund um Sexualität Erwartungen oder Druck eingeschlichen haben.
Wichtig:
Die Übung funktioniert nur, wenn die Vereinbarung wirklich gilt.
Auch wenn währenddessen Lust entsteht, bleiben diese zehn Minuten Nähe ohne Auftrag.
Danach könnt ihr wieder selbst entscheiden, was ihr möchtet.